Gerne möchten wir Euch das Mifa-Klapprad Typ 903 näher vorstellen – ein Exponat, das auch in unserer aktuellen Ausstellung Sonne, Strand und Sonnenbrand. Urlaub in der DDR zu sehen ist.
Im Zeitalter von E-Bikes kaum vorstellbar: Das Mifa-Klapprad war mit über 2,8 Millionen verkauften Exemplaren bis 1990 ein echter Verkaufsschlager in der DDR. Das erstmals 1967 vorgestellte Fahrrad traf den Nerv der Zeit. Es war ideal für alle, die flexibel unterwegs sein wollten, wenig Platz hatten oder häufig zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wechselten.
Die Produktion in großen Stückzahlen wurde vom damaligen Generaldirektor Winfried Sonntag des VVB Automobilbau Zwickau genehmigt, um der allgemeinen Unterversorgung mit Fahrrädern entgegenzuwirken. Denn anders als viele andere Modelle war das „Klappi“ meist verfügbar.
Die erste Variante, das Modell 901, zeichnete sich durch einen robusten Stahlrahmen und eine einfache, aber langlebige Technik aus. Besonders innovativ war der unkomplizierte Faltmechanismus, durch den das Fahrrad schnell eine kompakte Form annahm und damit ideal für kleine Keller, Balkone oder den Kofferraum war. Ab 1976 folgten die Modelle 903, 903/1 und 904, die sich unter anderem durch unterschiedliche Tretlager und Ausstattungsmerkmale unterschieden. In den 1980er Jahren blieb schließlich nur noch das Modell 903 im Sortiment. Mit einem Neupreis von 320 Mark im Jahr 1982 war es deutlich teurer als seine Vorgänger. Vermutlich lag das an der aufwendigeren Ausstattung mit vielen verchromten Teilen und dem hochgezogenen Lenker. Die Luxus-Ausführung verfügte über eine Felgenbremse, einen zusätzlichen Gepäckträger vorn, Sportpedale, Seitenständer sowie einen auffällig geschwungenen Lenker mit Vorbau. Kettenschutz und Gepäckträger waren verchromt. Das Gewicht betrug 15,5 Kilogramm.
Heute sind gut erhaltene Mifa-Klappräder begehrte Sammlerstücke und erzielen je nach Zustand und Modell Preise zwischen 80 und 300 Euro.
Wie der Weltrekord der längsten „Klappi-Schlange“ in Erfurt zeigt, verbinden viele Menschen persönliche Erinnerungen mit diesem Fahrrad. Wenn ich beispielsweise an mein eigenes blaues Klapprad denke, fallen mir sofort aufgeschlagene Knie an schönen Sommernachmittagen bei meinen Großeltern ein. Mehr als einmal küsste ich den Asphalt, weil sich das Fahrrad während der Fahrt plötzlich aufklappte. Irgendwann verlor ich die Lust am Fahren und hoffte nach der Wende heimlich, jemand würde es endlich aus unserem Berliner Hausflur stehlen, wo es unverschlossen stand. Denn ich träumte stattdessen von einem Mountainbike mit Gangschaltung. Heute bedaure ich ein wenig, dieses Stück Kindheit nicht mehr zu besitzen.
Wer Lust auf noch mehr Erinnerungen und Geschichten rund um Urlaub und Freizeit in der DDR hat, sollte unbedingt unsere Ausstellung besuchen oder einen Blick in die begleitende Publikation werfen. Das Buch zur Ausstellung versammelt zahlreiche persönliche Erlebnisse und fotografische Erinnerungen an Sommer, Strand und Ferienzeiten in der DDR.

