Jetzt, wo die Sommerferien für die meisten wohl leider schon wieder viel zu schnell vorbei sind, wollen wir einmal der Frage nachgehen, woher die Redewendung „die Schulbank drücken“ eigentlich kommt. Und was könnte dieser Ausdruck mit unseren Museen zu tun haben?
„Die Schulbank drücken“ ist wohl eher ein umgangssprachlicher Ausdruck und bedeutet, dass man noch zur Schule geht. Die Redewendung geht auf eine Zeit zurück, in der die Schulbänke noch einfache Holzbänke waren, bei denen die Sitzbank mit dem Tisch fest verbunden war. Das Wort „drücken“ lässt sich in diesem Zusammenhang auch durchaus wörtlich verstehen: Man saß über längere Zeit fest an seinem Platz und musste, ob nun freiwillig oder nicht, lange Zeit dort ruhig verharren. Durch den festen Abstand zwischen Sitzbank und Tisch war auch die Sitzposition vorgegeben. Besonders für größere Schüler:innen konnte es dadurch schnell eng werden, die Beine hatten wenig Platz und man saß buchstäblich zwischen Bank und Tisch fest.

Wer das Revival, sich einmal auf eine solche Holzbank zu quetschen, selbst erleben möchte, sollte die historische Schulstunde mit Fräulein Lehrerin besuchen. Mitten im Dorfzentrum von Middelhagen steht die 1825 erbaute Dorfschule. In dem ursprünglichen Schulgebäude mitsamt Lehrerwohnung lässt sich entdecken, wie früher gelehrt und gelebt wurde. Aber Vorsicht: In der unterhaltsamen Schulstunde wird mit den damaligen Unterrichtsmaterialien und nach den Lernmethoden der strengen Fräulein Lehrerin gelehrt.

Allerdings weist das Klassenzimmer heute einen Querschnitt verschiedener Schulbänke auf. An ihnen lässt sich die Entwicklung und die damit verbundenen pädagogischen Bemühungen besonders gut ablesen. Die älteste stammt von 1825 und mit ihrer waagerecht roten Kiefernholzplatte hat diese noch keine Rillen für das Schreibgerät oder eine Vertiefung für das Tintenfass. Die darauffolgenden Exemplare weisen bereits eine schräggestellte Tischplatte mit Tintenfass, eine geschnitzte Lehne oder rotbraune Stühle auf. Grob grünliche Bänke, die immer noch steif sind, folgen, bis ein junger Lehrer in den 1920iger Jahren in der Chronik davon berichtet, dass er „24 moosgrün-lackierte Zweitsitzer für Schüler von 132–141 cm Körpergröße patentiert (Rettig-Schulbank, Größe 4), von der neuen Schulmöbelindustrie zu 25,- Mark pro Stück in Empfang nehmen und die morschen, unhygienischen Bänke noch für 15,- Mark im Dorf versteigern kann.“
Die Rettig Schulbank war übrigens eine der erfolgreichsten Schulbänke Deutschlands und wurde vom Architekten Wilhelm Rettig entworfen und 1893 patentiert. Die feste Gesamtkonstruktion, bei der Schüler:innen dank des erhöhten Fußbrettes einfach ein- und austreten konnten, machte es möglich, trotz der beengten Raumsituation viele Schüler:innen in einem Klassenzimmer unterzubringen. Innovativ war zudem die Einlassung für das Tintenfass am oberen Ende. Das Tintenfass war eigens mit einem Schwanenhals versehen, damit auch bei gekippten Bänken keine Tinte auslaufen konnte.
Das Prinzip einer festen Zweisitzerbank wird durch Klappsitze und verschiedene Rückenlehnenarten abgewandelt. Schließlich ging man in den 1930er Jahren zu Gunsten der größeren Schüler:innen zum Prinzip eines freistehenden breiten Kiefernholztisches mit zwei separaten Stühlen über. Das schuf Platz für neue Vorhaben des Unterrichts. Denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand man unter dem Druck von Bevölkerungswachstum, Zuwanderung und Industrialisierung. Das Schulangebot musste stärker an den neuen Qualifikationsanforderungen von Technik, Handel, Wirtschaft und einer expandierenden Verwaltung ausgerichtet werden.
Auch nach 1945 veränderte sich die Möblierung. Nun bemühte man sich um ein leicht zu stellendes Mobiliar aus Stahlrohr mit hygienisch bunten Sprelacart-Platten. Sprelacart ist eine aus Kunstharz gebundene Schichtstoffplatte und steht für jenen pflegeleichten Kunststoffbelag, der in keinem Zug-Waggon, keinem Amt und keiner Schule der DDR fehlen durfte. Die jüngste Schulbank in unserer Sammlung stammt aus den 1980er Jahren und ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung.

Schulbank aus den 1980er Jahren
Wer also einmal selbst „die Schulbank drücken“ möchte, kann dies in Middelhagen noch ganz wörtlich nehmen und dabei vielleicht feststellen, dass eine historische Schulstunde zwar unterhaltsam ist, eine moderne Sitzhaltung aber durchaus ihre Vorteile hat.
Öffnungszeiten
April 2026 bis Oktober 2026
Montag bis Samstag
10:00 – 16:00 Uhr
Schulstunden jeweils Dienstag und Mittwoch und gegebenenfalls Samstag
10.00 Uhr und 11.30 Uhr
Eine Anmeldung zur Schulstunde per E-Mail an schulmuseum@mmg-ruegen.de ist zwingend erforderlich.
