Im Schulmuseum Middelhagen kann man nicht nur eine historische Schulstunde besuchen. Auch ein Museumsbesuch ohne Schulstunde, mit Klassenraum und Lehrerwohnung, ist sehenswert. In der Küche steht ein besonders Ausstellungsstück. Der Koch- Brat- und Backapparat der Firma Heinzelmännchen, D.R.P.No16. Öffnet man einen Deckel der beiden gleichgroßen Fächer erscheint eine Schwarzblechröhre, in der sich die Platten aus Schamottstein befinden. Die drei damals mitgelieferten Kochtöpfe sind leider nicht mehr vorhanden.
Die ersten Kochkisten bestanden aus einem Behälter der mit Stroh, Fils, Erde oder anderen wärmeisolierenden Stoffen gefüllt wurde. In dessen Mitte konnte ein Topf seine Temperatur so lange halten und die vorab erhitzten Speisen garten, ohne Zufuhr von Energie, mehrere Stunden weiter.
In Europa wurde die Kochkiste im ersten Weltkrieg propagiert, um Energiereserven, vornehmlich Holz, zu sparen. Aber schon vor den Kriegsjahren galt die Kochkiste als ein praktisches Haushaltsgerät, das berufstätigen Frauen einige Zeit am Herd absparen konnte.
In Zeiten knappen Brenn- und Heizmaterials sicherte die Kochkiste mit einem Minimalverbrauch des Heizmaterials die Zubereitung warmer Speisen, was zu ihrem verstärkten Einsatz in Kriegszeiten (Mangelzeit) führte. So wurde in der Zeit des ersten Weltkriegs in verschiedenen Kochbüchern die Nutzung der Kochkiste speziell behandelt und ihre Nutzung propagiert. Und noch nach dem 2. Weltkrieg wurden die Kochkisten z. B. während der Berlinblockade genutzt, um mit dem nur nachts kurz verfügbaren Strom Essen anzukochen und bis mittags fertig garen zu lassen. In die 1926 entworfenen Frankfurter Küche, der auf Arbeitseffizienz ausgerichteten Vorläuferin der modernen Einbauküche, wurde aus arbeitsökonomischen Gründen ebenfalls eine Kochkiste eingeplant. In jüngerer Zeit wurde die Idee der Kochkiste durch an die Topfformen angepasste Isolationsbehälter neu aufgegriffen.
Kochkisten gab es auch als Eigenbau aus einem Korb, einer Truhe oder einer einfachen Kiste. Diese wurde mit einer Decke ausgelegt und mit Zeitungspapier, Stroh, Heu oder ähnlichem ausgestopft. Hatte man keine Kochkiste zu Hand, nutzte die Hausfrau auch gern das eigene Federbett- ein Hilfsmittel, welches auch noch viele Frauen heute nutzen: Milchreis im Bett weiter garen lassen oder die Kartoffeln (das Mittagessen) warmhalten. Wenn Sie das noch nicht kannten- probieren Sie es aus: Nie wieder angebrannten Milchreis! Essenslieferanten nutzen heute Styroporboxen.

Bauanleitung für Kochkisten aus dem Jahr 1915
WERBETEXT FÜR DIE KOCHKISTE
Wir guten Geister, wir schalten und walten,
Wir streben nach Neuem neben dem Alten,
Wir sorgen für Kochen, Backen und Braten
Und sprechen den Wunsch aus: „Mög´ alles geraten!“
Die Kochkiste (1915-1920 )
Ein alter Freund ist sie für mache Hausfrau, die Kochkiste, ein alter, bewährter Freund, den sie schon lange kennt. Und doch welch´ plötzliche, großartige, ins Küchenwesen tief einschneidende Wandlung ist mit diesem Freund vorgegangen! Ein ganz neuer, selbstständiger, moderner Apparat hat sich aus den ersten primitiven Anfängen hervorgearbeitet, der mit Stolz und Recht sagt: „Ich stelle mich euch würdig an die Seite, all ihr modernen Kochvorrichtungen, ich übertreffe euch noch!“
Wollen wir den alten Freund umtaufen. Der nüchterne Ausdruck „Kochhilfe“ ruft bei mancher Hausfrau ein mitleidiges Lächeln hervor, wenn sie an die alte, große Kiste denkt, die früher in der Küche unter der Bank stand, ungehobelt, mit hervorstehenden Stroh- und Heuteilen garniert. Sie mag ja auch ihre Schuldigkeit getan haben, diese Kiste, so gut sie konnte; aber sie machte trotz ihrer scheinbaren Einfachheit große Ansprüche. Sie verlangte eine lange Vorkochzeit der Speisen und stellte die Geduld der Hungrigen oft auf eine harte Probe, ehe sie die Speisen fertig zurückgab. Welch´ glänzende Eigenschaften weist dagegen unser neuer Freund, der moderne „Koch-, Back- und Bratapparat Heinzelmännchen“ auf. Nicht nur von außen elegant und einladend, auch von innen sieht er sich blitzblank an. Sauber gearbeitet bis ins kleinste Detail, zwingt er die Hausfrau förmlich, sich recht viel mit ihm zu beschäftigen. Aber die äußere Beschaffenheit ist nicht sein größter Vorteil gegenüber seinen anderen vorzüglichen Eigenschaften. Er spart Zeit, Mühe und Geld.

